• Kultur,  Politik

    Patrioten und Patridioten

    Wörter erfahren Bedeutungsverschiebungen und können sich bei wechselndem Kontext nicht einer übermächtigen Neukonnotation entziehen. Wörter können ideologisch erobert und kulturell verbrannt werden. Sie haben dann noch das gleiche Aussehen, die gleiche Hülle aus Buchstaben, nur der innere Gehalt ist geschwunden oder durch etwas anderes ersetz worden. Neu besetzt. „Neger“ war in ferner Vergangenheit eine neutrale bis ehrenhafte Bezeichnung für jemand mit dunkler Hautfarbe und über lange Zeit mit keiner Herabwürdigung verbunden. In manchen Sprachen ist es immer noch so, dort ist der Ausdruck „Schwarzer“ die Herabwürdigung. Der „Negerkönig“ in Pippi Langstrumpf stand explizit für eine Form des Wahlkönigtums, als Symbol für jemand, der sich ein Amt durch Ehre und Leistung,…

  • Politik

    Helmut Schmidt – Mit zwei Sätzen ins moralische Abseits

    Vor etwas über einem halben Jahr ist er gestorben, damals hatte ich mich in einem kurzen Nachruf kritisch zu ihm geäußert und seine Haltung als reaktionär und von vorgestrigen Motiven bestimmt abqualifiziert. Das hat mir heftige Kritik eingetragen, die ich damals nicht direkt erwidert hatte, weil mir der konkrete Beleg fehlte und ich mich nur aus meiner Erinnerung heraus derart geäußert habe. Beim Neuordnen meines Papierarchivs bin ich zufällig auf einen Text gestoßen, das ZEIT MAGAZIN vom 9. Januar 2014. Hier gibt Schmidt seinem Kollegen Giovanni di Lorenzo ein Interview, um das er diesen oder die Redaktion gebeten hatte, nachdem er sich über einen Artikel geärgert hatte. Dieser Artikel hatte…

  • Politik

    Träume vom Morgen

    Vielleicht … weil … vielleicht … versprühen irgendwelche Governmentgnome Chemtrails, die die Leute wie wild ohne Verhütung vögeln lassen und die Geburtenrate hochtreiben … oder vielleicht … kriegen wir wieder eine Regierung, die Mütterkreuze verteilt, weil die gute alte Zeit ja so Lust aufs Vermehren gemacht hat und die Leute fünf und mehr Kinder nicht nur gekriegt haben weil die Hälfte an der schlechten Hygiene, der Armut oder in Kriegen gestorben ist … vielleicht, aber nur vielleicht. Ja, ich träume davon, dass es beim „vielleicht“ bleibt, dass wir keine Zwangsschwangerschaften bekommen, nicht noch mehr Strafbeiträge für Kinderlose, nicht noch mehr steigende Auswanderungszahlen, weil noch mehr Menschen keine Perspektive sehen in…

  • Politik

    Beleidigungen, Böhmermann, Bespiegelung

    Nicht die Intention des Urhebers macht die Beleidigung aus, sondern die Rezeption durch den Empfänger. Was Böhmermann gesagt hat [*], war ein akademisches Lehrbeispiel einer Beleidigung, das erst durch den satirischen Kontext bewusst missverstanden werden kann. Aber dazu bedarf es einer aktiven willentlichen Handlung des Empfängers. Du Arschloch. Wer meiner Leser fühlt sich jetzt angesprochen? Wer zieht sich den Schuh an? Keiner. Dann waren es nur Worte. Einer? Mehrere? Jeder?  Wer identifiziert sich? Und entsteht dann die Beleidigung durch das Schreiben des hier anonym adressierten Fäkalworts oder entsteht sie dadurch, dass jemand entscheidet es betreffe ihn? Ist dann nicht der, der diesen Bezug herstellt, also der Beleidigte selbst, derjenige welcher erst aus…

  • Kultur,  Politik

    Kultur im Kampf für die Zivilisation des Abendlandes

    Es waren die „Bürgerlichen“, die durch Wegschauen „den Wald austrocknen“ ließen. Schon mit dem Erstarken von FN, UKIP, Orban und zuletzt der PiS hätte klar sein müssen, hier wächst etwas, hier gilt es zu handeln. Und zwar nicht im politischen Raum, sondern im kulturellen. Gerade der große Anteil AfD-Wähler bei den Unter-30-jährigen ist ein Zeichen, dass dort die Vorstellung sich breit gemacht hat, dass die Welt so sein sollte wie in GZSZ/Marienhof oder anderen Schmonzetten. Ein feuchter Traum der Neocons, der Libertären, der „du bist der Herr deines Schicksals“ Ideologen, der „der Erfolg ist allein deine eigene Angelegenheit“ Wahnhaften, die auch denken „Probleme löst man selbst, nicht der Staat“. All…