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Hintergründe des Shut-Down von Google+

Google+ ist, wie alle anderen großen Social Networks, ein gewinnorientiertes Unternehmen und kein Gemeinschaftsprojekt oder öffentlich finanzierter Dienst. Damit einher geht ein Rahmen wirtschaftlicher Pflichten, die Verantwortung der Manager gegenüber den Aktionären und die Notwendigkeit alles Geld, das sie ausgeben, zu rechtfertigen. Damit hat G+ sein zentrales Problem. Ausgaben ohne Einnahmen.

Ohne die vertikale und horizontale Integration aller Google-Produkte, die über G + miteinander verbunden waren, und das System damit Daten aus jedem Moment unseres Lebens zu sammeln, ist G + nicht mehr der große Aggregator, nicht mehr die Nabe des großen Rades digitalen Lebens. Es gibt keinen Vorteil mehr aus diesem Teil seiner Existenz – der große Traum des Big Data, den Vic Gundodra träumte, dieser Traum ist tot. Gemetzelt von zahlreichen staatlichen Institutionen, Interessenvertretungen, der DSGVO/GDPR und der Entwicklung umfangreicherer Verbraucherrechte. Statt Big Data zu zähmen, ihm einen gesetzlichen Rahmen und demokratische Kontrolle zu geben, Transparenz herzustellen, hat man lieber alles getan um ihm die Existenz zu erschweren. Die Synergie, der Nutzen für beide Seiten, das Geben und Nehmen wurde begrenzt – man hält die Menschen nicht für mündig genug selbstständig damit umzugehen. Kollateralschaden ist die nutzbringende Seite von G+, die Alphabet einen Mehrwert und Profit geboten hätten.

Andere Netzwerke wie Tumblr, Twitter oder Facebook haben einen anderen Weg der Monetarisierung gesucht – Anzeigen im Stream. Und Google ist gut mit Anzeigen. Warum sollte das nicht funktionieren?

G+ hat ein Problem mit dem Fehlen möglicher Zielgruppen. Die Kiddies und Jugendlichen haben G+ verlassen und sind in Richtung andere Netzwerke weiter gezogen. Google behielt viele von ihnen bei Youtube, sehr viele davon. Und dort wird deshalb Stream-Zeit verkauft und mit Anzeigen belegt oder über Abo-Modelle finanziert.

G+ hat immer noch ein treues Publikum und eine aktive Schar von Autoren, die immer noch hervorragende Artikel, Posts, Bilder und anderen Content produzieren. Aber sie sind weniger als 50 Millionen, meistens reiferen Alters (49+), womit die wichtige Zielgruppe von 14-49 für das Anzeigengeschäft wegfällt. Und selbst die User innerhalb dieser Gruppe sind anders – besser ausgebildet, selbstbewusst, selbstständig und treffen Entscheidungen auf der Grundlage von Fakten und Wissen – nicht wegen Werbung und Mythen. Anzeigen wären an sie verschwendet. Und das Ergebnis ist deshalb eine niedrige Klickrate, mit der man nicht viel Geld verdienen kann. Die Monetarisierungschancen sind gering.

Was bleibt dann anderes als den Stecker zu ziehen. Farewell, Google Plus. Rest in Pieces.

 

Der von den G+ Teilnehmern erzeugte Content würde ohne Löschung von Accounts und den Rückbau auf eine geschlossene Nutzergruppe zur Jahresmitte 2019 das Volumen von 200 Petabyte überschreiten. Die Hosting- und Verarbeitungskosten wären enorm. 

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