Politik

Terroranschlag in Salisbury

Am 4. März 2018 wurden der aus der Ukraine stammende frühere GRU-Agent Sergei Skripal und seine Tochter Julia in Salisbury (UK) mit einem Nervengas vergiftet. Im Laufe der Beweissicherung und Ermittlungen wurde auch ein Polizist mit dem Nervengas kontaminiert und vergiftet. Alle befinden sich Mitte März noch in intensiver medizinischer Versorgung, dauerhafte Folgen und Spätschäden gelten als sicher. Der Zustand des Polizisten wird als stabil bezeichnet, sein Überleben wahrscheinlich. Skripal und seine Tochter haben derzeit noch keine so günstige Prognose, die Ärzte kämpfen weiter um ihr Überleben.

Der Anschlag erfolgte im Pub „The Mill“ in Salisbury (UK). Einer beliebten und gut frequentierten Kneipe die zum Franchise der „Greene King“ Brauerei gehört und eine moderat traditionelle Aufmachung hat, mit Sitzplätzen im Außenbereich an Saliburys Riverside Walk, in der Nachbarschaft der Saint-Thomas-Becket-Kirche. Ein regelmäßig von Einheimischen und Touristen stark besuchter Bereich.

Die Briten veröffentlichten einige Erkenntnisse ihrer Forensiker.

Analysen des Giftstoffs am mutmaßlichen Anschlagsort und bei den Opfern durch die dstl-Laboratorien haben ein als Toxin ein Nervengas aus der Gruppe der Nowitschok (russisch Новичок) Kampfstoffe ermittelt. Ein in der Sowjetunion entwickelte Kampfstoff-Gruppe, die sich nach der Auflösung der UdSSR nach offiziellen Angaben des Kreml exklusiv unter dessen Kontrolle befindet.

Bei den Kampfstoffen handelt es sich um Enzym-Hemmer, deren Blockade bewirkt, dass es zu einer Dauererregung aller Muskeln kommt, weitere Muskelbewegungen unmöglich werden und damit auch Herzschlag und Atmung stoppen. Die Opfer ersticken und verlieren durch die fehlende Blutversorgung das Bewusstsein. Gegenmittel können nur anfänglich helfen und haben wahrscheinlich das Leben des Polizisten gerettet. Hält die Lähmung länger an kommt es zu Gewebeschäden, die sich nur schwer regenerieren lassen.

Soweit die veröffentlichten Informationen aus Großbritannien.

Zehn Tage nach dem Anschlag beschuldigte die britische Regierung die Kreml-Regierung entweder den Anschlag in Auftrag gegeben zu haben oder die Kontrolle über seine chemischen Kampfstoffe verloren zu haben. Mit Großbritannien verbündete Staaten unterstützten diese Position. Damit haben die britische Regierung und ihre Verbündeten möglicherweise genau das getan, was man mit dem Anschlag bezweckt hat. Der Kreml bestritt jede Beteiligung am Anschlag und mutmaßte, dass es sich um einen Selbstmordversuch mit Fentanyl handele.

Sergei Skripal war Offizier des russischen Militärgeheimdiensts (GRU) und arbeitete als Doppelagent für den britischen MI-6.  1995 wurde er enttarnt und 1997 zu lebenslanger Haft verurteilt. 2010 wurde er gegen vier verhaftete russische Spione ausgetauscht. Er siedelte sich in der Region Salisbury an und erhielt die britische Staatsbürgerschaft. Seine Tochter Julia ist russische Staatsbürgerin und war zu Besuch bei ihrem Vater in Salisbury.

Bei dem Terroranschlag von Salisbury ging es darum ein Signal zu senden, „wir kriegen euch wo auch immer ihr seid“.

Deshalb musste die Tat ein identifizierbares einzigartiges Merkmal haben, das quasi als Unterschrift für die dient, die man von ähnlichem Verrat abhalten will. Zielgruppe sind die aktiven Feldagenten der vielen russischen Dienste, Agenturen und Institute, denen man so klar macht, was bei Leaks oder Frontenwechseln droht. Dass das erst mehr als 25 Jahre nach dem Verrat geschieht muss verwundern. Eine logische Erklärung ist es, dass es eine aktuelle Lage gibt, die Leaks und Verrat besonders problematisch macht und ein in Russland prominenter und berüchtigter Verräter wie Sergei Skripal ist in dem Fall ein Ziel, das Leuchtturm-Charakter hat. Zu Zeiten seines Prozesses in den 90ern wurde er von russischen Medien als „meistgehasster Mann“ tituliert.

Daneben ist es ein Statement der russisch-orthodoxen Weltsicht. Nur der Starke und Dominante ist ein berechtigter Herrscher auf diesem Planeten und hat einen Anspruch auf Führerschaft. Die Amerikaner sind „нерешительный“ (schwach und unentschlossen). Als Beispiel gilt, dass Manning, Assange und Snowden noch leben und nicht eliminiert wurden. Der Kreml zeigt, dass er in der Lage ist seine inneren und äußeren Feinde zu eliminieren egal wo sie sich aufhalten und wann immer er es für notwendig hält.

Die Botschaft soll sein „Russland ist stark“ und „Der Westen ist schwach“.

Und mit dem Timing im Vorfeld der Wahlen vom 18. März 2018 hat man große Teile der so genannten westlichen Welt dazu gebracht eine anti-russische Position einzunehmen. In der Folge konnte der Kreml in seinen TV-Sendern und Zeitungen diese Kritik an Russland zur Bedrohung von Außen exaggerieren und damit patriotische Reflexe in Russland auslösen, die die Wähler Putins mobilisiert haben wählen zu gehen und nicht wegen des sicher erscheinenden Putin-Sieges zu Hause bleiben.

Der Kreml und damit Putin, wenn er es denn wirklich war, hat mit dem Terror-Anschlag gleich mehrere Ziele erreicht. Sollte Putin nicht selbst für den Anschlag verantwortlich gewesen sein, so hat er ihn doch fahrlässig ermöglicht und auf jeden Fall von ihm profitiert.

 

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