Politik

Massenmord, Domestic Terrorism oder Amoklauf – USA im Waffenwahn?

Über das vergangene Wochenende kam es nicht nur zu der üblichen Anzahl Toten durch Schusswaffengebrauch in den USA – es gab auch wieder einen Massenmord mit mehr als zwei Dutzend Toten in einer Kirche in Texas. Wie schon bei dem Anschlag auf ein Konzert in Las Vegas kamen Schnellfeuerwaffen zum Einsatz und die internationale Gemeinschaft fragt sich, warum die USA nicht in der Lage sind diese immer häufiger vorkommenden Massenmorde aufzuhalten. Warum der Staat nicht eingreift und beispielsweise die Waffengesetzgebung verändert.

Man darf diese US-amerikanische Stammeskultur nicht mit unserer fortentwickelten Gesellschaft vergleichen. Wir haben es hier mit einer spätmittelalterlichen Form des Zusammenlebens zu tun, vergleichbar der vorrevolutionären Epoche in Europa. Ohne den gesellschaftlichen Umbruch der Jakobiner, der Aufklärung und der napoleonischen Säkularisierung, Verwaltungs- und Justizreformen würden vielleicht in Europa auch noch diese Zustände herrschen.

In den USA finden wir noch keinen organisierten Staat, der sich als Synergie-Kooperative der Bürgerschaft versteht und Schutz, Vorsorge und Versorgung sozial organisiert.

Wir müssen auch berücksichtigen, dass in den USA über 95% der Bevölkerung über einen Migrationshintergrund verfügen und fast alle Eingewanderten Wirtschaftsflüchtlinge waren, die zusätzlich vor dem zivilisatorischen Fortschritt in Europa flohen. Die Familie Trump ist ein exemplarisches Beispiel dafür, Umgehung der Wehrpflicht, von Gemeinschaftsaufgaben oder das Zahlen von Steuern waren hier Fluchtgründe. Dazu kamen noch Briten, die vor dem Verbot des Sklavenhandels 1807 in einem Akt globaler Wirtschaftsmigration ihre „Produktionsmittel“ in die USA verlagert hatten, um dort die libertäre Gesetzgebung, die Sklavenhandel und Sklaverei erlaubte, zu nutzen. Es waren Menschen, die das Prinzip der sozialen Gemeinschaft, der Gleicheit, der Arbeitsteilung, Finanzierung und Organisation von Gemeinschaft durch die Gemeinschaft, durch den Staat, ablehnen.

Eine derartige aus dem sozialen Rand der Menschheit gewachsene Gesellschaft wird noch Jahrzehnte brauchen um den heutigen Stand der Zivilisation, wie wir ihn aus Europa kennen, zu erreichen.

Die Akzeptanz für „Liberté, Egalité, Fraternité“ in dieser Gruppe war und ist gering bis gar nicht vorhanden. Einen gesellschaftlichen Druck diese Werte und Prinzipien umzusetzen oder gar fortzuentwickeln gab und gibt es nicht. Der Adel tarnt sich mit dem Gewand von einfachen Bürgern. Äußere Symbole die eine Revolution auslösen hätten können werden vermieden. Aus der Freiheit wurde Anarchie, aus Gleichheit ein Gleichheitsversprechen, aus Brüderlichkeit eine Ansammlung scheinbar klassenloser Rituale in Kirche, Sport und der plakativen Verteilung von Almosen. Der Gemeinschaftssinn ist hier kein Ausdruck sozialen Beisammensein, sondern von altruistischen individuellen Handlungen.

Die USA verharren in einem vorrevolutionären Zustand, ohne Verankerung der Prinzipien der Aufklärung in der breiten Bevölkerung, ohne Säkularisierung, ohne Staat als Gemeinschaftsaufgabe. Stattdessen wird wissenschaftsferne Ignoranz gepflegt, der Glaube beeinflusst die Politik und der Staat ist eine Obrigkeit, das als Herrschaft erlebt wird. Selbst die Demokratie ist in altertümliche Rituale und Gesetze gehüllt, die längst vergangenen Jahrhunderten entspringt.

Und genauso weit ist die gesellschaftliche Entwicklung vom individuellen Waffen- und Gewaltverzicht entfernt. Von der Säkularisierung und der Akzeptanz von Aufklärung und Wissenschaft. Jahrhunderte.