Politik

Frieden und Wohlstand, ein dehnbarer Begriff

„Meine Generation ist in Wohlstand und Frieden aufgewachsen. Heute überlegt man, in welcher Welt die eigenen Kinder groß werden.“

Der Vize-Kanzler schreibt das über sich, ein Kind einer Zeit voller schrecklichem Terror und Gewalt – er hatte eine Jugend, in der man das Haus nicht verlassen konnte vor Angst vor Anschlägen, das Reisen ein Vabanque-Spiel war.

RAF, IRA, ETA und nicht zu vergessen und in der Grafik unten nicht enthalten, die KGB- und CIA-Auftragsmörder im Kalten Krieg.

Die Atombombe am seidenen Faden über dem Kopf nicht zu vergessen. Von wegen Frieden.

Das war Alltag in Gabriels Jugendzeit (Teenager) von 1971 bis 1979, also eine Zeit in der es jedes Jahr mehr Terrortote in Westeuropa gab, als jetzt im ganzen Jahrzehnt. Und in dem im Warschauer Pakt ebenfalls Menschen liquidiert wurden oder am Eisernen Vorhang verbluteten. Und in seiner Kinderzeit zwischen 1959 und 1971 war es noch schlimmer.

Und in Deutschland gab es in den 1970er Jahren die Rekord-Inflation der sozial-liberalen Koalition, den Devisenmangel und die autofreien Sonntage aus gesamtwirtschaftlicher Not. Die Deutsche Mark wurde als unabhängige Währung abgeschafft, weil sie nicht mehr alleine existieren konnte und der ECU als Auffangwährung installiert. Wohlstand war das keiner. Jedenfalls nicht für die Gesellschaft als Ganzes.

Ist es bei ihm Verblendung, Ignoranz oder was auch immer, die ihn dazu bringen solche Zustände als Frieden und Wohlstand zu bezeichnen?

Heute ist die Zeit friedlicher, trotz NSU und rechtsextremer Anschläge. Sie ist auch von mehr Wohlstand gekennzeichnet und selbst HartzIV ist menschenwürdiger als die Sozialhilfe der 1970er.

Ich bin auch Jahrgang 1959, ich kann mich an die Tagesschau und die Tageszeitungen dieser Zeit erinnern, den das Leben in der alten Republik, im Deutschen Herbst. Er sollte das auch.

 

Datenquelle: Global Terrorism Database, University of Maryland, www.start.umd.edu/gtd/